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Wirtschaftliches Umfeld

Beurteilung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben die Geschäfts- und Ertragslage in beiden Geschäftsfeldern unmittelbar beeinflusst:

  • Aus der Anlage von Kundeneinlagen konnten aufgrund rückläufiger Geldmarktzinsen und Anleiherenditen geringere Zinserträge erwirtschaftet werden als im Vorjahr. Da die Einlagenkonditionen entsprechend angepasst wurden, liegt das Zinsergebnis vor Risikovorsorge dennoch leicht über Vorjahresniveau.
  • Im Wertpapiergeschäft führten die Finanzkrise im Euroraum und verhaltene Konjunkturerwartungen – zusammen mit weniger stark ausgeprägten kurzfristigen Kursvolatilitäten – zu einem Rückgang der Tradezahlen. Fonds verzeichneten insgesamt Nettomittelzuflüsse.

Positive Effekte resultierten zudem aus den deutlichen Kursanstiegen an den europäischen Aktienmärkten zum Jahresanfang und in der zweiten Jahreshälfte. Diese wirkten sich auch auf die Vertriebsfolgeprovisionen im Fondsgeschäft aus. Dennoch konnte das Provisionsergebnis insgesamt nicht an den hohen Vorjahreswert anknüpfen.

Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Konjunkturelles Umfeld

Das weltwirtschaftliche Wachstum hat gegenüber dem Jahr 2011 an Dynamik verloren. Maßgeblich hierfür waren das nachlassende Wachstum in China sowie die Bremswirkungen durch die europäische Staatsschuldenkrise. Während die Eurozone im Jahr 2012 insgesamt in eine leichte Rezession abrutschte, entwickelte sich Deutschland mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,7 % etwas stabiler. Das Wachstum des Vorjahres (3,0 %) wurde jedoch infolge nachlassender Anlageinvestitionen und eines abgeschwächten Konsumwachstums nicht annähernd erreicht.

Das gesamtwirtschaftliche Umfeld in Deutschland war intakt: Das verfügbare Einkommen der Bevölkerung legte im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 % zu, die Sparquote blieb mit 10,3 % annähernd stabil. Die Inflationsrate von 2,0 % führte zusammen mit den Diskussionen über die Stabilität der Gemeinschaftswährung zu höheren Investitionen in Sachwerte, darunter auch Immobilien, deren Preis in Ballungsgebieten deutlich zulegte. Zugleich wurde ein größerer Teil des Konsums – auch aufgrund niedriger Zinsen – kreditfinanziert.

Rahmenbedingungen für das Banking

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zur Eindämmung einer Finanz- und Wirtschaftskrise im Euroraum an ihrer expansiven Geldpolitik festgehalten. Dies äußerte sich zum einen in der Absenkung des Hauptrefinanzierungssatzes um 25 Basispunkte auf 0,75 % (Juli 2012), zum anderen in der umfassenden Liquiditätsversorgung des Bankensystems.

Der für einen Teil unserer Anlagen maßgebliche Dreimonats-EURIBOR erreichte neue historische Tiefstände. Im Jahresdurchschnitt lag er mit 0,57 % um 82 Basispunkte unter dem Vergleichswert 2011 (1,39 %).

An den Rentenmärkten hat sich die Situation nach der Ankündigung der EZB im September 2012, zur Rettung des Euro notfalls unbegrenzt Anleihen belasteter Euroländer aufzukaufen, spürbar entspannt. Während die Zinsen für Triple-A-Staaten auf historisch niedrigem Niveau verharrten, reduzierten sich die Renditeaufschläge bei Ländern mit geringerer Bonitätsnote stark. Bei Unternehmensanleihen verringerten sich die Renditen ebenfalls; dies nutzten zahlreiche Unternehmen für die Emission von Bonds, sodass sich der Primärmarkt belebte.

In diesem Umfeld war eine Wiederanlage fälliger Wertpapiere nur zu ungünstigeren Zinsniveaus möglich. Insofern nahmen die Renditen aus dem auf hohe Bonitäten fokussierten Treasury-Portfolio von comdirect insgesamt ab.

Dreimonats-EURIBOR 2010 – 2012

Die Maßnahmen auf politischer Ebene zur Eindämmung der Staatsschuldenkrise im Euroraum hatten nur geringfügigen Einfluss auf die comdirect Gruppe. Im Rahmen eines Rettungspakets für Griechenland wurde im ersten Quartal ein Schuldenschnitt vorgenommen, an dem sich private Gläubiger – darunter mit sehr geringen Beträgen auch die comdirect bank – beteiligten.

Rahmenbedingungen für das Brokerage

Die Aktienmärkte haben sich insgesamt freundlich entwickelt. Der DAX startete mit starken Kursgewinnen ins Jahr 2012, musste diese aber im Frühjahr vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise vorübergehend fast vollständig abgeben. Das zweite Halbjahr war wiederum durch eine kräftige Aufwärtsbewegung gekennzeichnet, welche auf Jahressicht zu einem Kursgewinn von 29,1 % führte. Der Grund für den Aufwärtstrend war zum einen die wachsende Attraktivität von Aktieninvestments im Vergleich zu niedriger verzinsten Renten- und Geldmarktanlagen. Zum anderen wirkte sich die Beruhigung der Märkte nach den unterschiedlichen Maßnahmen zur Bewältigung der Staatsschuldenkrise aus.

Trotz des freundlicheren Umfelds verringerten sich Orderzahlen und wertmäßiges Handelsvolumen am deutschen Kassamarkt (XETRA und Frankfurt). Hintergrund ist, dass der Handel wesentlich ruhiger verlief als im Vorjahr, das aufgrund von Sondereffekten durch hohe Volatilitäten geprägt war. Bei Aktien sank die Zahl der gehandelten Stücke um 19,6 %, und das Handelsvolumen nahm um 22,5 % ab. Die börsengehandelten Indexfonds – Exchange Traded Funds (ETF) sowie Exchange Traded Commodities (ETC) und Exchange Traded Notes (ETN) – verzeichneten ein um 33,7 % niedrigeres Handelsvolumen. Die Orderzahlen für diese Produktkategorie gingen um 19,3 % zurück.

Orderzahlen Deutsche Börse
Entwicklung des DAX vom 30.12.2011 bis 28.12.2012

Im Derivatehandel unterschritt das Volumen ebenfalls den Vergleichswert 2011. An den beiden Handelsplätzen Stuttgart (Euwax) und Frankfurt (Scoach) sank der Börsenumsatz um insgesamt 26,1 %. Dabei lagen Hebelzertifikate wesentlich stärker im Minus (38,5 %) als Anlagezertifikate (14,5 %).

Publikumsfonds konnten 2012 wieder leichte Mittelzuflüsse verzeichnen. Laut Statistik des Bundesverbands Investment und Asset Management e.V. (BVI) lag das Nettomittelaufkommen bei 24,6 Mrd. Euro, verglichen mit einem negativen Vorjahreswert von – 15,3 Mrd. Euro. Die Aufwärtsbewegung war jedoch zu einem wesentlichen Teil durch die Nachfrage nach Renten- und Mischfonds bedingt. Andere Fondskategorien wie insbesondere Aktien- und Garantiefonds mussten Mittelabflüsse hinnehmen. Hinzu traten Marktbelastungen aufgrund der Abwicklung einiger Offener Immobilienfonds. In Summe stellten sich die Rahmenbedingungen für das Fondsgeschäft daher nicht günstiger dar als im Vorjahr.

Die Nachfrage nach Produkten für die private Altersvorsorge hat sich im Jahr 2012 etwas abgeschwächt. In den ersten neun Monaten des Jahres nahm der Vertragsbestand lediglich um 1,8 % zu, was vorrangig auf die Eigenheimrente zurückzuführen ist. Die Zahl der Versicherungs- und Fondsverträge veränderte sich nur unwesentlich.

Rahmenbedingungen für die Beratung

Positiv ist die Marktsituation unverändert für die Baufinanzierung. Die Inflationssorgen und geringen Sparzinsen führten zusammen mit günstigen Darlehenszinsen zu einem weiterhin starken Interesse an Immobilienkäufen. Das Volumen der Wohnungsbaukredite erhöhte sich 2012 um 1,9 %. Dabei dominierten wieder die Darlehen mit langen Zinsbindungsfristen, die sich im Vorjahresvergleich nochmals etwas verbilligten. Der in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa berechnete comdirect Stimmungsindex Baufinanzierung bewegte sich das ganze Jahr deutlich oberhalb von 100 Punkten und signalisierte damit eine hohe Kaufbereitschaft.

Stimmungsindex Baufinanzierung (Januar 2012 – Januar 2013)
Zehn-Jahres-Hypothekenzins (Dezember 2011 – Dezember 2012)

Branchenbezogene Rahmenbedingungen

Der Markt für Online-Banking und -Brokerage wuchs 2012 weiterhin dynamisch. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Nutzer um 6,9 % auf mehr als 28,0 Mio. (Stand: September 2012, Statista), was etwa 34 % der Bevölkerung entspricht. Die Sicherheitsbedenken hinsichtlich Online-Banking sind in Deutschland nach wie vor ausgeprägt, jedoch rückläufig. 25 % der Internetnutzer verzichten aktuell aus Sicherheitsgründen auf Internet-Bankgeschäfte, ein Jahr zuvor waren es noch 28 %.

Die Zahl der Nutzer von Mobile Banking nahm 2012 ebenfalls weiter zu. Im Juli 2012 verwalteten bereits 5,74 Mio. Deutsche ihr Konto über das Smartphone (Vorjahr 3,13 Mio.). Damit steigt auch die Nachfrage nach Banking- Applikationen. Über 21 Mio. Deutsche, also gut jeder vierte Bundesbürger, nutzen mittlerweile Apps jeglicher Art auf ihrem Mobiltelefon (Vorjahr 15 Mio.).

Das Branchenumfeld der B2B- und Servicebanken war in 2012 durch die Themen Bestandssicherung, Neukundengewinnung und Anpassung der Produkt- und Leistungspalette an die Herausforderungen neuer regulatorischer Rahmenbedingungen geprägt.

Fondsberater, die eine wichtige Zielgruppe von ebase darstellen, handelten im Vergleich zum Vorjahr insgesamt weniger mit Investmentfonds. Das viermal jährlich veröffentlichte ebase Fondsbarometer, welches das Handelsvolumen von mehr als 50 Tsd. Fondsberatern widerspiegelt, zeigte in den meisten Monaten des Jahres 2012 eine unterdurchschnittliche Handelsaktivität. Der Trend zu sicherheitsorientierten Anlagen hat sich dabei verfestigt; Mischfonds und Rentenfonds wiesen hohe Mittelaufkommen, Aktien- und Dachfonds hingegen hohe Rückflüsse aus. Für die Berater war es damit zunehmend schwierig, die Mittel der Kunden in ihrem Betreuungskreislauf zu halten.

Im Zuge der Neuregelung der Gewerbeordnung haben viele Finanzvertriebe ihre Geschäftsmodelle überprüft. Ab Jahresanfang 2013 wird die Finanzanlagevermittlung nach § 34c GewO abgelöst und durch § 34f GewO neu geregelt. Finanzanlagevermittler von Investmentfonds, geschlossenen Fonds oder sonstigen Vermögensanlagen im Sinne des § 1 Abs. 2 des Vermögensanlagengesetzes müssen nun gemäß § 34f GewO gegenüber dem zuständigen Gewerbeamt nachweisen, dass sie hinreichend sachkundig sind. Auch Vermittler, die sich einem Haftungsdach angeschlossen haben, müssen künftig ihre Sachkunde nachweisen. Um die Risiken der Anlageberatung zu minimieren, suchen Vermittler nach haftungsreduzierenden Produktlösungen – ein Bedarf, der nun auch durch das Angebot einer standardisierten Fonds-Vermögensverwaltung von ebase in der Rolle des Vermögensverwalters abgedeckt wird.

Regulatorisches Umfeld

Mit unserem Leistungsspektrum sind wir in stark regulierten Märkten aktiv. Für die Bankenaufsicht in Deutschland sind derzeit die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und die Deutsche Bundesbank zuständig. Kernthemen der aufsichtsrechtlichen Regelungen sind Solvabilität, Liquidität und das Kreditgeschäft der Banken. Auch im Beratungsgeschäft bewegen wir uns in Marktsegmenten mit hoher Regulierungsdichte. Die Umsetzung neuer gesetzlicher und aufsichtsrechtlicher Anforderungen ist mit zusätzlichen Kosten, unter anderem für erweiterte Dokumentationspflichten bei Beratungsdienstleistungen, verbunden.

2012 hat comdirect begonnen, die Umstellung auf das SEPA-System (Single Euro Payments Area) vorzubereiten, das ab 2014 europaweit einheitliche Verfahren und Standards für die Abwicklung von Euro-Zahlungen schafft.

Außerdem startete comdirect die Umsetzung des 2010 durch die US-Regierung verabschiedeten Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA), mit dem die US-Steuerbehörde weltweit Schwarzgeldkonten von US-Bürgern ausfindig machen will. Neben Deutschland haben Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien eingewilligt, FATCA umzusetzen.

Mit den Verordnungen CRD IV und CRR sollen die neuen Eigenmittel- und Liquiditätsanforderungen nach Basel III in europäisches/nationales Recht überführt werden. Der für Anfang 2013 geplante Start ist aufgrund anhaltender Diskussion und Konsultation auf EU-Ebene vorerst verschoben. Inhaltlich hat comdirect die relevanten Themen in 2012 umgesetzt, eventuelle Änderungen bleiben abzuwarten.

Aus der im Dezember 2012 veröffentlichten und ab Anfang 2013 geltenden MaRisk-Novelle ergeben sich für comdirect keine wesentlichen Neuerungen.