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Finanz- und Vermögenslage der comdirect Gruppe

Grundzüge von Finanzmanagement und Treasury

Das Treasury der comdirect bank trägt für eine stets angemessene Kassenhaltung Sorge und steuert das Liquiditätsrisiko (s. Liquiditätsrisiken). Über die Anlage der Kundeneinlagen am Geld- und Kapitalmarkt realisiert die comdirect Gruppe eine positive Zinsspanne. Dabei tätigt sie einen signifikanten Teil der Anlagen mit Unternehmen des Commerzbank Konzerns. Forderungen gegenüber der Commerzbank AG und ausgewählten weiteren Gesellschaften des Commerzbank Konzerns sowie die Wertpapiere dieser Unternehmen sind über einen Mantelzessionsvertrag umfassend besichert. Daneben werden fünf Spezialfonds geführt, die in den Abschluss der comdirect Gruppe einbezogen sind.

Neben Wertpapieren des Commerzbank Konzerns werden ausschließlich Wertpapiere erstklassiger Emittenten mit kürzerer Zinsbindung erworben. Der Anlagehorizont orientiert sich an der wirtschaftlichen Haltedauer der Kundeneinlagen. Bei der Anlage kommen vorwiegend Schuldscheindarlehen und Termingelder zum Einsatz. Darüber hinaus umfasst das Treasury-Portfolio im Wesentlichen Schuldverschreibungen und Pfandbriefe.

Der Einsatz derivativer Finanzinstrumente beschränkt sich auf die Absicherung von Zinsänderungsrisiken aus Schuldverschreibungen und die Zinsbuchsteuerung des Treasury-Portfolios. Das Nominalvolumen dieser Sicherungsderivate belief sich zum Bilanzstichtag 2012 auf 118 Mio. Euro (Ende 2011: 123 Mio. Euro).

Engagements in belasteten Staaten des Euroraums wurden 2012 nicht eingegangen. Zum Jahresende 2012 entfielen weniger als 0,1 % der Bilanzsumme (Ende 2011: 0,6 %) auf Treasury-Positionen in diesen Ländern. Im Rahmen unseres Intensivmonitorings werden diese Positionen fortlaufend eng überwacht und gegebenenfalls bei Marktopportunitäten vor Endfälligkeit veräußert.

Investitionen

Das Investitionsvolumen lag mit 16,7 Mio. Euro nahe beim Vorjahreswert (16,5 Mio. Euro). Einem Rückgang im Geschäftsfeld B2C auf 11,0 Mio. Euro (Vorjahr 12,2 Mio. Euro) stand ein Anstieg im Geschäftsfeld B2B auf 5,7 Mio. Euro (Vorjahr 4,3 Mio. Euro) gegenüber. Dabei handelte es sich im Wesentlichen um die Entwicklung eigener Software im Zuge der Einführung neuer Produkte.

Investitionen
Investitionen nach Geschäftsfeldern

Auf immaterielle Anlagewerte entfiel ein Investitionsvolumen von 12,2 Mio. Euro (Vorjahr 13,4 Mio. Euro). Der hohe Vorjahreswert war durch komplexe IT-Projekte bei der comdirect bank, darunter die Implementierung der CFD-Plattform, geprägt. Im Berichtsjahr haben wir für den Erwerb von Software lediglich 4,9 Mio. Euro (Vorjahr 7,2 Mio. Euro) aufgewendet, auf die Aktivierung von eigenerstellter Software entfielen 7,3 Mio. Euro. Weiterentwickelt wurden unter anderem die Abwicklungssysteme für die Visa-Karte sowie das Internetportal und die Depot-Software von ebase. Unter Berücksichtigung der Abschreibungen auf immaterielle Anlagewerte errechnet sich ein Nettoinvestitionsvolumen von 1,2 Mio. Euro (Vorjahr 0,7 Mio. Euro).

Die Sachanlageinvestitionen in Höhe von 4,5 Mio. Euro (Vorjahr 3,0 Mio. Euro) gehen unter anderem auf den Austausch der Datenbankserver für die zentralen Kundendaten sowie die Modernisierung der PC-Systeme zurück. Die Nettoinvestitionen bei Sachanlagen waren in etwa ausgeglichen (Vorjahr – 1,1 Mio. Euro). Wesentliche finanzielle Folgepflichten aus laufenden Investitionsprojekten für künftige Geschäftsjahre bestehen nicht.

Bilanzstruktur der comdirect Gruppe

Mit dem Anstieg des Einlagenvolumens hat sich die Konzernbilanz auf 12,45 Mrd. Euro (Ende 2011: 11,38 Mrd. Euro) verlängert. 94,3 % (Vorjahr 94,2 %) der Bilanzsumme entfielen auf Verbindlichkeiten gegenüber Kunden.

Vermögenswerte

Das Volumen der Forderungen an Kreditinstitute, die vor allem auf Schuldscheindarlehen und Termingelder zurückgehen, legte gegenüber dem Jahresendstand 2011 (6,71 Mrd. Euro) um 18,1 % auf 7,93 Mrd. Euro zu.

Struktur der Konzernbilanz – AKTIVA
Struktur der Konzernbilanz – PASSIVA

Der Bestand an Finanzanlagen verringerte sich um 3,9 % auf 3,71 Mrd. Euro (Ende 2011: 3,86 Mrd. Euro). Diese Bilanzposition umfasst Anleihen und Pfandbriefe sowie Schuldverschreibungen mit variabler Verzinsung. Aktien spielten wie im Vorjahr keine wesentliche Rolle im Rahmen der Treasury-Strategie.

Struktur der Kundeneinlagen
Struktur der Forderungen und Finanzanlagen

Die Forderungen an Kunden nahmen auf 202,6 Mio. Euro (Ende 2011: 224,7 Mio. Euro) ab. Maßgebliche Ursache war das rückläufige Volumen der Wertpapierkredite. Der Effekt aus einer steigenden Inanspruchnahme von Dispositionskrediten sowie dem über die neue Visa-Karte eingeräumten Kreditrahmen wurde deutlich überkompensiert.

Die Barreserve betrug zum Bilanzstichtag 551,8 Mio. Euro und lag damit über dem Stand vor einem Jahr (527,8 Mio. Euro). Sie entfällt fast vollständig auf Guthaben bei der Deutschen Bundesbank. Das durchschnittliche Mindestreserve-Soll der comdirect Gruppe belief sich zum Bilanzstichtag 2012 auf 110,2 Mio. Euro (Ende 2011: 197,2 Mio. Euro).

Die tatsächlichen Ertragsteueransprüche in Höhe von 1,9 Mio. Euro (Vorjahr 4,1 Mio. Euro) betrafen unter anderem Körperschaftsteuerguthaben aus Vorjahren.

Finanzierung

Die Finanzierungsseite der Bilanz beruht im Wesentlichen auf den Einlagen privater Kunden. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden summierten sich auf 11,74 Mrd. Euro (Ende 2011: 10,72 Mrd. Euro).

Der Rückgang der Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten auf 1,9 Mio. Euro (Ende 2011: 3,2 Mio. Euro) spiegelt den aktuellen Stand der laufenden Verrechnungskonten bei der Commerzbank wider.

Die zur Absicherung eingesetzten Zinsswaps wiesen zum Bilanzstichtag einen negativen Marktwert (Fair Value) in Höhe von 5,3 Mio. Euro (Ende 2011: 4,5 Mio. Euro) auf.

Die Rückstellungen lagen mit 39,7 Mio. Euro um 3,6 % unter dem Vorjahreswert (41,2 Mio. Euro). Hier wirkte sich vor allem die Reduzierung von Rückstellungen für variable Vergütungskomponenten sowie ertragsunabhängige Steuern aus.

Die Rückstellungen für Pensionen beliefen sich zum Bilanzstichtag auf 16,3 Mio. Euro (Ende 2011: 15,3 Mio. Euro). Den Pensionsverpflichtungen mit einem Barwert von 26,2 Mio. Euro (Vorjahr 20,3 Mio. Euro) stand ein Treuhandvermögen mit einem Marktwert von 4,1 Mio. Euro (Vorjahr 3,8 Mio. Euro) gegenüber, das beim Commerzbank Pension Trust e.V. verwaltet wird (s. Note (49)). Zusätzlich bestehen Rückstellungen für Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen in Höhe von 0,4 Mio. Euro (Vorjahr 0,5 Mio. Euro).

Die sonstigen Passiva in Höhe von 46,0 Mio. Euro (Vorjahr 41,7 Mio. Euro) basierten vorrangig auf Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Der Anstieg der latenten Ertragsteuerverpflichtungen auf 7,8 Mio. Euro (Ende 2011: 3,0 Mio. Euro) hat seine Ursache in der Kursentwicklung bei Finanzanlagen und deren Einfluss auf die Neubewertungsrücklage. Der größte Teil war erfolgsneutral. In der Position werden Ansprüche und Verpflichtungen saldiert ausgewiesen (s. Note (50)).

Das Eigenkapital betrug 585,7 Mio. Euro und übertraf damit den Wert zum Bilanzstichtag 2011 (547,3 Mio. Euro) um 7,0 %. Der Anstieg beruht auf der wesentlich höheren Neubewertungsrücklage.

Kapitalflussrechnung der comdirect Gruppe

Der Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit in Höhe von 119,7 Mio. Euro (Vorjahr 418,6 Mio. Euro) wurde im Wesentlichen durch die Entwicklung der Kundeneinlagen und deren Wiederanlage beeinflusst.

Der Cashflow aus Investitionstätigkeit von – 16,7 Mio. Euro (Vorjahr – 16,4 Mio. Euro) spiegelt den Anstieg des Investitionsvolumens wider.

Die Mittelabflüsse aus Finanzierungstätigkeit in Höhe von – 79,1 Mio. Euro (Vorjahr – 59,3 Mio. Euro) gehen auf die im Mai 2012 vorgenommene Ausschüttung einer Dividende von 0,56 Euro (Vorjahr 0,42 Euro) je Aktie zurück.

Einlagensicherung

Die comdirect bank AG und die ebase GmbH sind Mitglieder des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken e.V., über den jeder Kunde zum Bilanzstichtag 2012 bis zu einer Einlagenhöhe von 30 % des maßgeblich haftenden Eigenkapitals abgesichert ist. Daraus ergibt sich ein Betrag von 116,9 Mio. Euro für comdirect Kunden beziehungsweise 6,1 Mio. Euro für ebase Kunden. Daneben sind die Kundeneinlagen gesetzlich im Rahmen des Entschädigungsfonds deutscher Banken (EdB) abgesichert.